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Hamburger Abendblatt Journal
Die Diagnose lautet: Humor hilft heilen Sprechstunde bei Dr. Eckart von Hirschhausen im Schmidt-Theater: Der ehemalige Kinderneurologe und Kabarettist las aus seinem neuen Buch und bewies einmal mehr, dass Lachen gesund macht. Schauspielernde Ärzte gibt es genug. Maria Furtwängler („Die Flucht") zum Beispiel. Oder Christiane Paul („Das Experiment“). Man vermutet, dass Ärzte sich dem Schauspielfach hingezogen fühlen, weil sie den Spaß, den sozialen Kontakt oder einfach das Exotische in ihrem Beruf vermissen. Bei Dr. Eckart von Hirschhausen (40) muss das Defizit riesengroß gewesen sein. Denn statt Schauspieler zu werden, setzte er noch eins drauf und erfand das medizinische Kabarett, schrieb einen Bestseller (Arzt-Deutsch/Deutsch-Arzt"), moderierte Radio- und Fernsehshows und schaffte es mit der „Hirschhausen-Akademie“ in die wöchentliche Late-Night-Show von Schmidt und Pocher, nachdem er dort als Gast geglänzt hatte. Mit dem Soloprogramm „Glücksbringer" und seinem neuen Buch „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben - Komisches aus der Medizin" (ab April im Handel) ist er auf Tournee. Das Publikum bei der Lesung im Schmidt-Theater ist durchwachsen: Kollegen aus dem Feuilleton sitzen neben Fachredakteuren von der Gesundheitspresse. „Kaum zu glauben, was Journalisten alles für eine warme Mahlzeit tun", empfängt Eckart von Hirschhausen seine Gäste. Mit seinem großkarierten Anzug und dem spitzbübischen Lächeln wirkt er wie ein Darsteller aus „Der Doktor und das liebe Vieh". Tatsächlich hat ihn der britische Humor während seines einjährigen Auslandsstudiums geprägt. Bevor er Kostproben aus seinem neuen Werk gibt, möchte er gern eine Pressekonferenz abhalten: „Irgendwelche Fragen? NEIN? Na gut. Ich bin ja auch Journalist, stelle ich mir die Fragen also selber.“ Wie er denn vom Arzt zum Entertainer geworden sei, möchte er wissen. „Das werde ich natürlich oft gefragt", antwortet er geschmeichelt. In seinem früheren Leben war von Hirschhausen Kinderneurologe an der Berliner Charite. „Das Sprachlich-Therapeutische hat mich schon immer interessiert. Und obwohl mir die Arbeit mit den Kindern fehlt, habe ich heute das Gefühl, viel mehr Menschen zu erreichen als im Krankenhaus." „Und was sagen Ihre Arztkollegen dazu?", möchte ein Gast wissen. „Die sind begeistert. Mit den anderen habe ich keinen Kontakt!" Im Ernst: Mit seinen medizinischen Anekdoten und wissenschaftlichen Vorträgen über Humor ist von Hirschhausen gefragt, wird sogar zu Ärztekongressen eingeladen. Der Entertainer ist überzeugt, dass Humor heilen hilft. Der Beweis: „Hauen Sie sich kräftig mit dem Hammer auf den Daumen. Erst allein und dann noch mal in Gesellschaft. Sie werden sehen.“ Und wie wird man nun als Arzt zum Entertainer? „Als Arzt lernt man, den diagnostischen Blick zu entwickeln und fragt sich „Ist das gesund oder krank?“ Als Kabarettist guckt man genauso, fragt sich aber dann: „Ist das komisch oder nicht?" Der Buchtitel sei übrigens an einem Abend mit einem Glas Rotwein entstanden. „Man sagt ja, dass ein Glas pro Tag gesund sei. Die Deutschen wollen sich besonders viel Gutes tun und verteilen gleich zwei Liter Wein aus dem Tetrapack über den Tag." Trotz gelegentlicher therapeutischer Tipps während seiner Shows - der erhobene Zeigefinder war noch nie so sein Ding. „Der Finger ist zum Kitzeln da", sagt der lustige Mediziner. Vielleicht auch das der Grund für seinen Berufswechsel. Humor hilft heilen, und Eckart von Hirschhausen ist der beste Beweis dafür. |
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